Jahresrückblick 2017

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Liebe Genießer unseres Honigs,
liebe interessierte Besucher unserer Homepage,
liebe Imkerkollegen,

es ist immer gut, am Ende eines Jahres Rückblick zu halten. Was ist wann warum passiert und was kann ich tun, um aus Fehlern zu lernen? Was ist gut gelaufen und wovon kann ich im nächsten Jahr profitieren?Geendet hat das Jahr 2016 mit einer sehr starken Melizitosetracht (Zementhonig), die die Völker ab September leider nutzten. Die Folge waren verbaute Futtertröge und jede Menge Honig in den Waben, der sich nicht ernten ließ, da der Wassergehalt im Honig sehr niedrig ist. Auch das Aufsetzen von Honigräumen brachte nur mäßigen Erfolg. Innerhalb weniger Tage waren alle Waben voller Zementhonig. Brut war fast keine mehr in den Völkern.
Ich entschloss mich, 5-6 Waben aus dem Brutraum zu entfernen und durch Mittelwände zu ersetzen. Solange Waldtracht herrscht bauen die Bienen sehr gut.
Die Mittelwände wurden auch zügig ausgebaut und mit Zementhonig gefüllt. Allerdings hatte die Königin wieder Platz für die Brut.
Die Völker flogen bis in den Späten September in die Waldtracht. Ich versuchte mit Futtersirup den ankommenden Nektar zu „vermischen“, was mir nicht gelang. Die Bienen interessierte das zugegebene Futter gar nicht.

Die Bienen haben im Futtertrog Waben gebaut und hierin Zementhonig eingetragen

So gingen vor allem die Völker, die auf meinem Außenstand im Oederaner Wald stehen, mit viel zu viel Melizitosehonig in den Winter. Der Leser möge nun annehmen, dass Honig – Honig ist und daran nichts schlimmes zu finden sei.
Beim Melizitosehonig handelt es sich jedoch um einen Honig mit Dreifachzucker. Die Bienen müssen diese besondere Zuckerart in einen Zweifachzucker aufspalten, um ihn für sich nutzbar zu machen. Dies können sie nur im Honigmagen mit einem Enzym tun. Dafür benötigen sie aber jede Menge Wasser – Wasser, welches sie im Winter nicht holen können.
So nahm das Unglück seinen Lauf. Bei der Winterbehandlung im Dezember war ein Volk schon nicht mehr am Leben. Die restlichen Völker waren jämmerlich zusammengeschrumpft. Ich überwinterte mit Honigraum. Die meisten der Völkchen saßen mit ihrer Königin im Honigraum. Viel Bienenmasse war nicht mehr übrig. Viele Bienen steckten kopfüber in den Zellen. Die Waben waren vom Kot der Bienen unheimlich verdreckt! So etwas hatte ich bisher noch nicht gesehen.

 

Im März, als es etwas wärmer wurde, entschied ich mich, die Völker aufzulösen und zu vereinigen. So blieb am Ende noch ein starkes Volk übrig.  Übrig blieben auch hunderte „verschissene“ Waben und Magazine, die ich im Frühjahr ausschmolz, abflammte und gründlich reinigte.

Die nachfolgenden Wochen waren allesamt kühl und frostig. Schnee gab es bis Anfang Mai und so wurde auch aus dem zusammengewürfelten Völkchen nichts mehr. Die Bienen waren durch die Melizitose derart geschwächt, dass sie nicht überlebten. Heute habe ich an diesem Waldstandort meine Ableger aufgestellt, die ich bei einer einsetzenden Melizitosetracht schnell wegschaffen kann – etwas anderes hilft leider nicht!
Die Völker an meinen anderen Standorten waren zwar auch von der Melizitosetracht betroffen, überstanden den Winter aber durchaus gut. Die Landwirte bauen zunehmend große Flächen mit Blühmischungen als Gründüngung an, was den Bienen und anderen Insekten natürlich nützlich ist. So verdünnte sich der Melizitosenektar ausreichend.

Der Jahresstart war also schon nicht der Beste. Auch das Frühjahr war kalt und frostig. Wir hatten Schnee bis in den Mai hinein. Die Kirschblüte fiel aufgrund des Frostes ganz aus. Regional fiel auch die Apfelblüte aus.
Der Raps fing im April an zu blühen. Die Bienen konnten diese Haupttracht leider nur zwei Wochen im Mai nutzen. Dann verblühte der Raps. Man kann schon erahnen, dass die Frühtrachternte in diesem Jahr nicht sonderlich gut war. Das Wetter war einfach viel zu kalt!

Mitte Mai wurde das Wetter dann jedoch besser und die Natur holte sehr schnell auf. Die Völker konnten die nachfolgenden Trachten gut nutzen.

Eine besondere Freude waren die Mini-Plus Einheiten. Diese überstanden alle den Winter und waren auch im Mai in einem sehr guten Zustand. Die Überwinterungskästen von WAGNER waren restlos überfüllt und so geschah, was geschehen musste – es gab jede Menge Schwärme.

Ich selbst achte eigentlich sehr genau darauf, dass die Völker nicht schwärmen. Gerade bei der BUCKFAST-Biene ist dies ja eines der vorrangigen Zuchtziele. Allerdings nutze ich die MINI-PLUS Einheiten nur für die Königinnenzucht. Eine Honigernte hieraus erfolgt nicht. Die Völker versorgen sich das Jahr über selbst.
Die abgehenden Schwärme waren allerdings aufgrund der Völkerverluste sehr hilfreich und so konnte ich meinen Völkerbestand wieder gut aufbauen.

Die Honigernte war in 2017 wesentlich schlechter als im Jahr zuvor. Dies ist vor allem dem schlechten und kühlen Frühjahr zuzuschreiben. Der späte Frost war wohl auch für den Ausfall der Lindenblüte verantwortlich. Die Winterlinden hatten durch den späten Frost allesamt keine Blüten mehr. So erntete ich leider auch an meinem Dresdner Standort keinen Lindenblütenhonig.

Die Völker befinden sich aktuell in einem sehr guten Zustand. Die Milbenbehandlung im Sommer und Herbst haben gut gegriffen. Zum Glück blieb die Melizitosetracht in diesem Jahr aus und so gehen die Bienenvölker stark in den Winter.
Vorbeugend habe ich dieses Jahr zahlreiche Ableger erstellt, die ich im Frühjahr selbst verwenden oder verkaufen werde.


Die Zuchtsaison verlief durchaus erfreulicher.

Von den wenigen zuchtwürdigen Völkern, die den Melizitosehonig überlebt hatten, zog ich nach. Hierzu bediente ich mich auch Zuchtmaterial, welches ich von Rolf Schülbe erhielt. Er verkaufte mir ein paar mit Insel- und belegstellenbegatteten Königinnen ausgestattete Wirtschaftsvölker.

Mit insgesamt drei Serien beschickte ich die Belegstellen „Lautenthal“, „Weißberg“, unsere neue sächsische Belegstelle „Annaburger Heide“ und stellte einige Jungköniginnen zur Standbegattung an meinem Zuchtstand auf. Das Begattungsergebnis war mit ca. 80% in Ordnung – meinem Anspruch genügt es aber nicht!

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Begattungseinheiten vor der Befüllung mit Bienen
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Apidea-Einheiten

Einige der begatteten Königinnen habe ich an Imker und Zuchtkollegen abgegeben, was ich auch in 2018 plane.

Im Jahr 2018 möchte ich mehr Königinnen aufziehen um so eine noch größere Selektionsbasis zu erhalten. Hierzu werden vor allem die in 2017 gezogenen und in die Wirtschaftsvölker eingeweiselten belegstellenbegatteten  Königinnen einer strengen Prüfung/Selektion unterzogen.
Nur durch eine konsequente und strenge Prüfung erhalten ich die Königinnen, die ich für meinen Wirtschaftsbetrieb brauche!


Leider hatte die Imkerwelt im Jahr 2017 auch zwei Todesfälle zu beklagen.

Mein langjähriger Freund, Job van Praagh ist nach kurzer, schwerer Krankheit überraschend im November verstorben. Mit ihm hat die Gemeinschaft der europäischen Buckfastimker ihren wissenschaftlichen Berater und Freund verloren.
Job war immer für unseren sächsischen Landesverband und mich da, wenn es Fragen oder Probleme gab. Er hat die Zuchterfolge, die wir auch im Hinblick auf die Varroatoleranz erreicht haben, durch seine wissenschaftliche Begleitung maßgeblich unterstützt.

Im Dezember verstarb Hans Beer. Er war Gründungsmitglied der Gemeinschaft der Buckfastimker und vor allem durch seine Betriebsweise mit dem „angepassten Brutraum“ weit über die Grenzen Deutschlands bekannt.


Gemeinsam mit Ernst Wagner hielt er Fachvorträge und Schulungen ab.
Mit Hans Beer verliert die Buckfast-Imkerwelt einen begnadeten Imker, für den die Bienen eine Berufung waren.

 

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